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Aktuelle Forschungsaktivitäten am Lehrstuhl

Entwicklung von Lernumgebungen für den inklusiven Mathematikunterricht

Inklusive Bildung basiert auf dem normativen Prinzip der egalitären Differenz (u.a. PRENGEL 1995) und verfolgt somit u.a. das Ziel der Befähigung zu einer vollen und wirklichen Teilhabe an einer freien Gesellschaft bei ungleichen Voraussetzungen (s. auch Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen, VN-BRK 2009, Art. 24, Abs. 1c). Dies impliziert den gleichberechtigten Zugang zu einem hochwertigen Unterricht in der allgemeinen Schule für alle Schüler(innen) (VN-BRK 2009, Art. 24, Abs. 2a), also beispielsweise auch Kinder und Jugendliche mit sogenannter „Lernbehinderung“ oder „geistiger Behinderung". Gemeinsam mit SonderpädagogInnen und Bildungswissenschaftlerinnen wird in diesem Projekt das Ziel verfolgt, ein teilhaberorientiertes Kerncurriculum für die Fächer Mathematik und Deutsch zu erarbeiten.

Argumentieren – im Fach und zwischen Fächern

Insbesondere in einem auf Eigenaktivität ausgerichteten Mathematikunterricht kommt dem Argumentieren zur Sicherung neuen Wissens eine enorme Bedeutung zu. Aber nicht nur soeben entdeckte Zusammenhänge gilt es argumentativ zu stützen, sondern auch (vor-)gegebene. Die Projekte in diesem Themenkomplex widmen sich der Stärkung der Rolle des Argumentierens im Unterricht der späten Grundschule bis in die Sekundarstufen, wobei auch das Zusammenspiel zwischen den Fächern untersucht werden soll, um Erkenntnisse für das Argumentieren im Mathematikunterricht zu gewinnen. 

 

Promotionsprojekt: J. Rey

Naturwissenschaftliche Vorgehensweisen im Mathematikunterricht - Ein Wechselspiel von Entdeckungen und Begründungen (seit 2016)

Didaktische Prinzipien zum Mathematikunterricht wie das entdeckende Lernen und das operative Prinzip besitzen bereits Charakteristika, die einem Arbeiten in Naturwissenschaften wie Biologie, Chemie und Physik ähneln: Ausgehend von dem Handeln mit konkreten Objekten sollen abstrakte mathematische Begriffe und Zusammenhänge erkannt und ggf. ausgeschärft werden. Es wird in diesem Projekt zentral, solche Vorgehensweisen detailliert zu differenzieren, auch um verschiedene Handlungsoptionen zur Berücksichtigung der zunehmenden Heterogenität in einem inklusiv realisierten Mathematikunterricht herauszustellen. Entsprechend mathematisch-fachlichen Idealen sollen dabei Möglichkeiten und Grenzen eines naturwissenschaftlichen Arbeitens aufgezeigt werden.

Als Theoriegrundlage werden wissenschaftstheoretische Ansätze naturwissenschaftlicher Disziplinen und erkenntnistheoretische Ansätze aus der Mathematikdidaktik verwendet. Die theoretischen Grundlagen dienen dabei nicht nur der Erstellung eines Begriffsnetzes zum quasi-empirischen Arbeiten im Mathematikunterricht (bzw. in der Mathematik allgemein), sondern auch zur Rekonstruktion konkreter Realisierungen dieser Prozesse durch Lernende. 

Promotionsprojekt J. Kunsteller (abgeschlossen 2018)

Familienähnlichkeiten und Regeln – Entdeckungs- und Begründungsprozesse aus der Perspektive Wittgensteins (2013-2018)

Unter Nutzung der Spätphilosophie Wittgensteins wird eine Perspektive zum Verstehen der Erkenntnisprozesse Entdecken und Begründen erarbeitet. Hierzu wird zunächst der Begriff der Familienähnlichkeiten fokussiert: Dem Erkennen und Nutzen von Ähnlichkeiten wird in der mathematikdidaktischen Literatur an verschiedenen Stellen (wenngleich unter Verwendung verschiedener Worte und Fokussierungen) ein wichtiger Stellenwert zugeschrieben. Sie werden beispielsweise von Brinkmann (2002) im Kontext des „Vernetzens“, von Sfard (2008) bei der Betrachtung von „Metaphern“ sowie von Aßmus & Förster (2013) im Zuge von „Analogien“ thematisiert.

In diesem Projekt soll herausgearbeitet werden, welche Arten von Ähnlichkeiten existieren, wie durch sie das Lernen von Mathematik gefördert werden kann und wie Lernende hiermit im Mathematikunterricht umgehen.

 

Ehemalige

Prof. Dr. Kerstin Tiedemann (jetzt an der Universität Bielefeld) 

 

 

 

verwendete Literatur

Aßmus, D. / Förster, F. (2013): ViStAD – Erste Ergebnisse einer Video-  Studie zum analogen Denken bei mathematisch begabten Grundschulkindern. mathematica didactica, 36, 45-65.

Brinkmann, A. (2002): Über Vernetzungen im Mathematikunterricht – Eine  Untersuchung zu linearen Gleichungssystemen in der Sekundarstufe I. Duisburg: Duisburger elektronische Texte.

Budke, A., Kuckuck, M., Meyer, M., Schäbitz, F., Schlüter, K. & Weiß, G. (2015): Fachlich argumentieren lernen. Didaktiksche Forschungen zur Argumentation in den Unterrichtsfächern. Münster: Waxmann.

Hannah, G. & Jahnke N. H. (2002): Arguments from Physics in Mathematical Proofs: an Educational Perspective. For the Learning of Mathematics, 22 (3), 38‒45.

Kunsteller, J. (2015): Familienähnlichkeiten und ihre Bedeutungen im Sprachspiel „Entdecken und Begründen im Mathematikunterricht“. In: Linneweber-Lammerskitten, H. et al. (Hrsg.): Beiträge zum Mathematikunterricht 2015. WTM-Verlag: Münster.

Kunsteller, J. & Meyer, M. (2014): Zur Rolle von Familienähnlichkeiten bei der Einführung der Potenzfunktionen. Der Mathematikunterricht, 60 (2), S. 50-57.

Meyer, M. (2007): Entdecken und Begründen im Mathematikunterricht. Von der Abduktion zum Argument. Hildesheim: Franzbecker.

Meyer, M. (2014): Zur Bedeutung der (Fach-)Sprache im Mathematikunterricht. Forderung und Förderung eines sprachsensiblen Unterrichts. In: Michalak, M. (Hrsg.): Sprache als Lernmedium in allen Fächern. Hohengehren: Schneider. 

Peirce, Ch. S. (CP): Collected Papers of Charles Sanders Peirce (Band I-VI hrsg. von C. Hartshorne und P. Weiß, 1931-1935, Band VII-VIII hrsg. von A.W. Burks 1985), Cambridge: Harvard University Press.

Sfard, A. (2008): Thinking as communication. New York: Cambridge UP.

Toulmin, S. (1996): Der Gebrauch von Argumenten. Weinheim: Beltz.